Der Ortsname Katerbow

Die auslautende Silbe -ow, gesprochen -[oː], kann auf einen slawischen Ursprung des Namens Katerbow hinweisen, allerdings kann es sich auch um die ursprünglich mittelniederdeutsche Silbe -auwe, mit der Bedeutung ‘Aue’ handeln (siehe auch: Namen auf -ow). Das heißt, es lassen sich in der Mark Brandenburg einerseits Ortsnamen finden, die heute mit -ow geschrieben werden und auf eine slawische Silbe zurückgeführt werden können und andererseits lassen sich ebenso Ortsnamen nachweisen, die heute zwar ebenfalls mit -ow geschrieben werden, die aber nicht auf eine slawische Silbe sondern auf eine germ. Silbe zurückgeführt werden können.

In Bezug auf die finale Silbe -ow in Ortsnamen der Mark Brandenburg ist nach Fischer 2005 die “Annahme, daß alle auf -ow auslautenden Ortsnamen slawischer Herkunft sind, falsch. Es gibt auch viele deutsche Ortsnamen, die heute in der Schriftform auf -ow auslauten” (Fischer 2005, S. 203). Die heute auf -ow auslautenden Ortsnamen können nach Fischer (2005, S. 204) sein:

  1. slawische Ortsnamen, die von einem Personennamen gebildet wurden. Hier hat das Suffix -ov die gleich Funktion wie das Suffix -in. Von den 444 heute auf -ow auslautenden Namen in den Ländern Brandenburg und Berlin (Namen mit Zusätzen wie Bochow und Neu Bochow werde als ein Name gerechnet) zählen hierher 184 Namen: Bagow, Bochow und andere.
  2. slawische Ortsnamen, die mit dem Suffix -ov von Appellativen gebildet wurden, z.B. Buckow, gebildet von buk ›Rotbuche‹, also ›Rotbuchenort, Ort, wo Rotbuchen wachsen‹. Es sind adjektivische Namen, das Substantiv ›Siedlung, See, Wald‹ oder ähnlich muß man sich denken, wie man auch im Deutschen sagt, man geht in die Wilmersdorfer einkaufen, Straße läßt man weg. Hierher zählen 166 Namen: Buckow, Grabow und andere.
  3. deutsche Ortsnamen mit dem Grundwort Aue, siehe -au(e). Lautlich ist mittelniederdeutsch ouwe ›Aue‹ mit dem eingedeutschen slawischen Suffix zusammengefallen, oder die Namen wurden einander angeglichen. Hierher zählen 34 Namen: Lindow 1, Reichenow und andere.
  4.  deutsche, übertragene und slawische Ortsnamen, an die seit dem 6. Jahrhundert das -ow als typisches Ortsnamenmerkmal angefügt wurde, vergleichbar dem -a im mitteldeutschen Sprachgebiet, siehe -a. Durch das Anfügen von -ow konnte man gleichlautende Ortsnamen voneinander unterscheiden (KrieleKrielow), oder der Name wurde von einem Appellativum unterschieden (EicheEichow). Hierher gehören 42 Ortsnamen, davon 30 ursprünglich slawisch: Teurow, Thyrow und andere.
    Zwölf Namen sind deutscher Herkunft oder übertragene Namen: Eichow, Glindow, Krielow und andere.
  5. slawische Namen, die nicht mit dem Suffix -ov- gebildet wurden, sondern deren Stamm auf -ov- oder auf eine ähnlich lautende Verbindung (-av-, -ev-, -og) endete. Hierher gehören 19 Namen: Batzlow, Ostrow, Saarow, Sacrow, Wustrow und andere.
  6. Ein junger Ortsname ist ursprünglich ein Familienname: Parlow.

Die finale Silbe -au(e) in Ortsnamen der Mark Brandenburg kann nach Fischer (2005, S. 194) zurückgehen auf:

  1. das zur Ortsnamenbildung verwendete -au(e) im Mittelalter, mittelhochdeutsch ouwe ›Land am Wasser, nasse Wiese, Insel‹, mittelniederdeutsch ouwe ›vom Wasser umflossenes Land, wasserreiches, grasiges Land, Aue‹: Breitenau, Fürstenaue, Grassau, Lindenau und andere.
  2. das zur Namenbildung verwendete -au(e) bei Ortsnamen, die seit dem 18. Jh. entstanden. Hier ist -au(e) eher ein Modewort zur Ortsnamenbildung, ein Bezug zur Lage in einer Niederung braucht nicht vorhanden zu sein: Charlottenau, Elisenau, Friedenau, Frohnau, Wittenau und andere.
  3. das Suffix -ow, mit dem slawische Namen gebildet wurden: Beesdau, Bohrau, Buckau, Spandau und andere
  4. eine Kanzleiform des Namens. Das -au wurde seit dem 16. Jahrhundert als typisches Ortsnamenmerkmal an Namen angefügt, vergleichbar -a und -ow: Altenau, Altnau, Krugau, Lieskau, Lugau.
  5. andere Herkunft in Einzelfällen: Dubrau, Prenzlau, Wustrau (auslautendes -av- oder -ov- bei slawischen Namen), Markau (übertragener Name).

Wie es sich nun mit der finalen Silbe -ow in dem Ortsnamen Katerbow verhält, konnte bisher nicht eindeutig geklärt werden. Die synchrone und zumindest bis 1358 zurückgehende diachrone Graphie lässt allerdings hinsichtlich der Aussprache keine Silbentrennung vor -ow zu, sodass die finale Silbe im Ortsnamen immer -bow war. Folgt man dieser phonotaktischen Interpretation, dann wäre keine der oben genannten Interpretationsmöglichkeiten mehr möglich. Sodass sich eine andere Bedeutung des Namens finden lassen muss (siehe: Semantik des Ortsnamens).

Literatur:

  • Reinhard E. Fischer (2005): Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin. Alter – Herkunft – Bedeutung. be.bra Wiss.-Verlag, Berlin, 2005, ISBN: 978-3-937233-30-7.
  • Wilhelm Hammer (1895): Ortsnamen der Provinz Brandenburg. II. Teil.. R. Gaertners Verlagsbuchhandlung, Berlin, 1895.

Fußnoten:

  1. Entgegen den Überlegungen von Fischer (2005, S.204) geht 110 Jahre vor ihm Hammer (1895, S. 23) fest davon aus, dass Lindow nicht auf Linden-Aue zurückgeführt werden kann, sondern dass hier asl. ledina ‘unbebautes Land’ heranzuziehen sei.